MENSCHEN_WERK_STATT
I N S T A L L A T I O N : V I D E O | C O L L A G E
2018-jetzt
Kurzfilm
Menschen_werk_statt
Collage
„Zwischen System und Individualität“
Konzept:
„Selbstoptimierung durch Selbstinszenierung: Der Verkauf meines Ichs“
H I N T E R G R U N D
Der sinnsuchende Mensch als Leitbild der Gesellschaft.
Sinnstiftend der Beruf, die Aufgabe, die Bestimmung im Leben.
Individualität als gesellschaftliches Konstrukt einer einheitlichen Ordnung.
Zeit als begrenzte, wertvolle Materie, die die (neue) Menschmaschine sinnvoll nutzen soll.
Der Mensch als offensichtlich „freies Subjekt“, das gebunden ist an die tägliche Selbstoptimierung.
Eine Optimierung, die niemals endet - eine Optimierung für den (virtuellen) Menschenmarkt.
Der Mensch als Produkt seiner eigenen Bestrebung nach Perfektion und Aktualität im Wettkampf.
„Ideology is something to structure our daily life -
the new forms of enslavement are sold to us as new forms of freedom.
Permanent stress is sold to you as a new form of freedom.
The modern chef is no longer the authoritarian chef in a tie - they don’t want to be called chef
... permissive appearance
it´s even a much stronger authority.“
Slavoj Žižek
MENSCHEN_WERK_STATT
Kurzfilm
3:27 Min
Berlin, Polen September 2019-Januar 2020
Konzept/Idee: Janna Heiß
Sound: Janna Heiß
Wir gehen
Wir stehen
Wir sehen
Und suchen
den Sinn
auf Erden
Im tagtäglichen Sein
Tagtägliche Arbeit
im gleichenden Rhythmus
Menschenwerkstatt
Gedankenordnung
Aus dem Rhythmus
Aus dem Leben
Normalität verlebt
Dasein vergeudet
Funktionalität
Aktualität
Flexibilität
Sinn gesät
Gedanken gegeben
Mach weiter weiter weiter Mach weiter Mach weiter Mache weiter weiter weiter schneller weiter Mach weiter Mach weiter schneller schneller schneller weiter weiter Mach weiter schneller weiter
Denk darüber
Nicht nach
Den Sinn auf Erden
wirft man dir nach.
MENSCHEN_ W E R K _ S T A T T
Collage
„Zwischen System und Individualität“
MENSCHEN_ W E R K _ S T A T T
Konzept
Selbstoptimierung durch Selbstinszenierung: Der Verkauf meines Ichs
Im Zeitalter von virtueller und analoger Persönlichkeit verschwimmen die Grenzen immer öfters, sehen wir
uns als zwei Personen in „zwei Welten“.
Wir erschaffen uns im Netz eine weitere, eine bessere, eine optimierte, eine schönere, eine stärkere, eine begehrtere Kopie unserer selbst – so wie wir immer sein wollten.
Unser virtuelles Leben begreift sich als gestellte Szenerie im Gegensatz zu unserer wahren, realen Person.
Unsere virtuellen Erfahrungen und geteilten Inhalte sind leere Momente, denen wir eine Bedeutung geben möchte, indem wir sie teilen.
Unser virtuelles Ich erreicht unsere Follower, unser virtuelles Ich zeigt nur, was es zeigen möchte.
Unser analoges Ich ist verloren - metaphysisch obdachlos, es muss sich Begegnungen real stellen und kann
die realen Bilder nicht mehr begreifen, die Kamera als Schutz vor der Wirklichkeit, vor der echten Erfahrung.
Wir sind auf der Flucht, auf der Flucht vor der Gegenwart,
wir wissen nicht woher wir kommen und wohin wir gehen.
Die Flucht in die virtuelle Welt ist eine Suche nach einem Zusammenhang, den wir im realen Leben immer mehr verlieren.
In den Social Media Plattformen erfahren wir Solidarität, wir erhalten Bestätigung und Likes durch
„Freund*innen“ für eine Kopie dessen, was wir (nicht mehr) erleben. Es wird zu einem Umgehen mit dem
Leiden, das wir in diesen Momenten erfahren. Wir suchen Bestätigung in Form von Followern und Likes,
wir suchen die große Akzeptanz, die große Masse an Akzeptanz. Um vorab möglichst viele zu erreichen,
können wir uns Profile kaufen, die bereits eine große Zahl an Followern hat.
(Vgl.: https://toofame.com/shop/)
Im Gegenzug können wir uns aber auch ständig wieder neu erfinden, können uns neu denken und unsere
alten Persönlichkeiten und Profile (und auch Follower) verkaufen. Wir verkaufen uns selbst, wir selbst sind
zum Produkt auf dem Menschenmarkt geworden - wir bieten uns nur noch nicht ganz offensichtlich als
menschliche Ware an.
Was ist der nächste Schritt? Kann man bald neben (Persönlichkeits-)Profilen nach ganzen „Menschen“
googlen? Und wie sieht eine solche Suche aus?
Ein Gedankenexperiment ...